Wednesday, February 15, 2012

Gedankenströme

Was haben sich sechs Milliarden Gedankenströme selbst zu erzählen, dass sie ihre gesamte Lebenszeit verplappern?

- Und haben sie sich alles erzählt, wenn sie endlich verstummen?

(Jonas Stegemann 2011)

Dieses Mal...

Im Nachhinein ist's immer leicht

zu sagen was gewesen wär'

besser – ich sage nichts.

(Jonas Stegemann 2011)

Stille

Stille. Mit den eigenen Gedanken allein sein. Dem Rauschen der Welt lauschen.

Viele Menschen ertragen das nicht, können oder wollen sich der ständigen medialen Berieselung nicht entziehen.

Versuche Gedanken zu zu lassen, gebe dich der Stille hin. Vielleicht hörst auch du das Rauschen?

„The silence crushed them into the remotest recesses of their own minds, pressing out of them, like juices from the grape, all the false ardors and exaltations and undue self-values of the human soul, until they percieved themselves finite and small, specks and motes, moving with weak cunning and little wisdom amidst the play and interplay of the great blind elements and forces.“

(Jack London: „White Fang“)

Tuesday, January 10, 2012

Einsilbig

Oft wenn der Wind ging, zog es mich raus.

Ich ging dann mit ihm ans Meer. Als er klein war trug ich ihn auf dem Arm und hielt ihn dort fest, als ob der Sturm der Zorn war. Hielt ihn und sang mit dem Wind.

Dann, als er selbst ging, nahm ich die Hand des Kind's und den Ball und lief Seit' an Seit' mit ihm zum Strand. Dort saß er dann im Sand, Blick aufs Meer, und sprach:

„Wenn ich groß bin, will ich mit dem Wind zieh'n. Dann will ich dort in der Höh' sein, dann bin ich mein Herr und der Herr der Welt!“ Er lacht.

Ich ging noch oft zum Strand mit ihm. Ich sprach zu ihm und er zu mir. Ich sah ihm zu beim jung sein. Dann ging er fort und ich freut' mich stets auf den Besuch. War er da, dann bat er mich:

„Zum Strand! Ich seh' ihn nicht mehr oft!“

Ich hielt mich an dem Stock fest. Ohne ihn ging es nicht mehr. Der Sand macht' es mir schwer, doch ich ging für ihn. Und er nahm nun oft mein' Arm und hielt mich auch.

Er flog jetzt durch die Luft. Als Käpt'n. Sein Traum war wahr und ich war alt.

Der Sand war schwer am Fuß, der Wind blies mich um wie ein Sturm.

Es war schwarz um mich und still.

Wenn ich dort wär', könnt' ich immer bei ihm sein, dacht' ich. Es ist an der Zeit.


Jetzt geht er ans Meer, mit mir.

Und dann nie mehr.

Schaut mir zu wie der Wind mich nimmt und aufs Meer zieht:

„Ciao.“

(19.11.2011 Jonas Stegemann)

Tuesday, December 6, 2011

Die Bedeutung der Sprache

Die Sprache ist seit jeher die Grundlage der Kommunikation, die es den Menschen erlaubt, sozial organisiert zusammenzuleben. Daher ist es nicht unverständlich, dass die Griechen als Erfinder der Demokratie die Rhetorik als zentrale Disziplin der Bildung etablierten.

Sie erkannten die Macht der Sprache als Instrument zur Beeinflussung der Öffentlichkeit, aber auch die Möglichkeit, durch ihre geschickte Anwendung und Analyse zur Wahrheitsfindung beizutragen.

Auch, oder gerade, heute ist es besonders wichtig, sehr genau darauf zu achten, was behauptet wird. Oft werden uns subjektive Annahmen als objektive Erkenntnisse vermittelt, was besonders in der Politik und in der Werbung durch geschickte Anwendung rhetorischer Mittel versucht wird - und daher eine kritische Auseinandersetzung mit der Sprache erfordert.

Für die Kommunikation politischer Inhalte ist die Sprache ein wichtiges Instrument. Die rhetorischen Fähigkeiten der Parteisprecher entscheiden oft über Erfolg oder Misserfolg der spezifischen Anliegen.

Rhetorik ist in der Politik aber nicht nur zwingend notwendig, sondern auch erwünscht. Sie birgt Möglichkeiten einer nachhaltigen und zukunftsorientierten Gestaltung des politischen Miteinanders in der Welt, z.B. in der Konfliktbewältigung.

Waffengewalt als ein legitimes Mittel in nationalen und internationalen Konflikten zu betrachten, ist ein Relikt aus der Menschheitsvergangenheit. Wir als Menschen, die wir uns doch gerne als Krone der Schöpfung sehen, haben selber einen Katalog der Menschenrechte entwickelt. Eine Waffe oder auch nur handgreifliche Gewalt lässt die Würde des Menschen nie unangetastet. Die Zukunft liegt, und ich wünschte die Gegenwart wäre schon so weit, in der gewaltfreien Konfliktbewältigung, der Mediation.

Doch nicht nur zur Verwirklichung einer für alle Menschen lebenswerten Zukunft, sondern auch zur Erhaltung von Kulturschätzen in unserer globalisierten, Kulturen verbindenden Zeit ist die Sprache unerlässlich. Sie hält in Literatur und Erzählungen der unterschiedlichen Kulturen deren individuelle Art zu denken, zu erzählen und zu leben fest.

Sprache, besonders in der Literatur, hat in unserer durch visuelle Medien geprägten Zeit im Gegensatz zu diesen die Fähigkeit behalten, unsere Phantasie in einer Weise anzuregen, die Raum lässt für freie geistige Entwicklung. Und dieses freie Denken ist in meinen Augen eine der wichtigsten Aspekte des Menschseins.

[Ab hier vom Verfasser für die Publizierung leicht geändert] Schon früh lernen wir, dass die geschickte Anwendung von Sprache für die jeweils angestrebten Zielen sehr nützlich sein kann. Wir müssen aber auch feststellen, dass es schwer ist, sie zu kontrollieren, und dass durch sie verursachte Verletzungen schwerwiegend sein können. Schon die natürliche Sensibilisierung für das menschliche Miteinander in der Phase des Erwachsenwerdens hilft jedoch, die positiv wirkende Kraft der Sprache zu nutzen, um Konflikte auf angemessene Art beizulegen.

[...]

Ich möchte behaupten, dass meine von mir oben dargestellte Sicht der Bedeutung der Sprache für die Menschheit und das Menschsein verdeutlichen, warum das Studium der Rhetorik eine nahe liegende Studienfachwahl für mich ist. Ich freue mich darauf, mich in Zukunft wissenschaftlich und praktisch mit Rhetorik und internationaler Literatur auseinanderzusetzen.

(Jonas Stegemann 03.07.2011)

Monday, November 28, 2011

(Die Reise beginnt)

Es duftet nach feuchtem Moos und modrigem Holz, irgendwo kreischen Vögel und flattern aufgeregt durch das Geäst. An einem auf der Erde liegenden Stamm wachsen einige Pilze im Halbschatten der Sträucher, die die kleine Lichtung säumen. Der weiche Boden ist bedeckt von grünem Gras, das an den Knöcheln kitzelt. An einigen Stellen glitzern Tautropfen in der goldenen Spätsommersonne. Ein ununterbrochenes Summen, das ständig an- und abschwillt liegt in der Luft, hin und wieder lässt ein leichter Windstoß das Laub rascheln und trägt eine Ahnung von Herbst mit sich.

Eine Bewegung am Rande der Lichtung lässt die Welt kurz innehalten, aufblicken, um dann gleich so zu tun, als ob sie nichts bemerkt hätte. Aus dem Schatten des Waldes löst sich eine kleine Gestalt, die, gefolgt von einer größeren, mit neugierigen Füßen über die Wiese huscht. Die nackten Füße hinterlassen kaum sichtbare Abdrücke im feuchten Boden, der sie gleich wieder zu schlucken scheint. Lautlos bewegen sich die Gestalten auf einen Fels zu, der halb überwuchert in der Mitte der Lichtung steht. Die Geräusche drum herum haben sich nicht geändert, sie sind vielleicht nur etwas gespannter geworden.

Drei dieser Gestalten stehen nun vor dem Felsen. Woher die dritte gekommen ist, oder ob sie bereits hier gewartet hat, ist nicht zu erkennen. Sie schieben Äste beiseite und befreien einige Stellen des Felsens von Moos und Flechten. Etwas braunes, garnicht steinhaftes kommt darunter zum Vorschein. Die Gestalten halten inne. Sie scheinen zu beratschlagen. Im langsam dämmernden Abendlicht ist zu erkennen, dass sie blaue Overalls tragen, dazu braune Mützen. Am Gürtel trägt jeder eine Taschenlampe und allerlei Gerät, das nicht sofort identifizierbar ist.

Eisen klimpert gegen Eisen, als eine der Gestalten einen Schlüssel aus seiner Overalltasche zieht und sich auf die freigelegte Tür zu bewegt. Lautlos dreht sich der Schlüssel im Schloss, knirschend öffnet sich die Tür. Ein dunkles Loch tut sich auf. Es riecht nach abgestandener Luft, nassem Stein und Erde. Es ist nicht erkennbar, ob es sich um einen Gang oder eine Höhle handelt: Einen knappen Meter reicht das Licht in das Dunkel hinab, dann ist dort nur noch das Schwarz der Ungewissheit.

Ich stehe auf, lasse meinen Blick noch einmal prüfend über die Lichtung wandern, versuche das Dickicht dahinter zu durchdringen und schleiche zu den Anderen. Wir begrüßen uns kurz, kontrollieren noch einmal unsere Ausrüstung und begeben uns gemeinsam in die Dunkelheit des muffigen Schlundes. Erst als die Tür hinter uns verschlossen ist, schalten wir die Taschenlampen ein.

(Jonas Stegemann 19.11.2011)

Wednesday, November 2, 2011

Die guten alten Zeiten (romantisiert)

Als Welt und Seel' noch einerlei,
Als Sterne noch in Sphären,
Als Menschengeist noch völlig frei,
Da wollt' ich mich vermehren.

(02.11.2011 J.S.)